Welpenleben 2013

Welpenleben

 

Tag 10:

Die ärgste Hitzwelle liegt hinter uns.

 

Wir waren in der letzten Woche in erster Linie damit beschäftigt, die Belastung für Mutterhündin und Babies so gering als möglich zu halten, und statt Wärmelampe gab's zwischendurch Klimagerät.

Die ersten Tage haben uns alle - Hundehalter und Buko - mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Wieviel müssen wir füttern, damit alle 10 Racker ordentlich wachsen? Was ist ordentlich wachsen? Wie wissen wir, ob's allen gut geht? Worauf müssen wir bei einer säugenden Hündin besonders achten?

Gleich am Tag nach der Geburt waren die Zuchtwartin des Ridgeback Clubs, Frau Angela Dohnal, und die Zuchtbuchführerin, Frau Ulrike Lichtenauer, bei uns und haben Welpe für Welpe gründlich gecheckt. Ergebnis: Alle sind gesund, Miss Minty, Mister Blau und Herr Neon haben einen Knickschwanz, sind aber ebenso entzückend wie die 7 anderen.

Die ersten Tage sind Peter und ich voll Staunen beinahe rund um die Uhr vor der Wurfkiste gesessen, begeistert davon, wie perfekt so eine Winzigkeit - Missy, das zweite Weibchen, wog bei der Geburt grad mal 315 g - doch ist.

Der Tagesablauf der Welpen ist definiert von Saugen und Schlafen, mittlerweile haben alle bis auf Herrn Gelb ihr Geburtsgewicht annähernd verdoppelt. Seit dem 10. Tag haben die kleinen Wilden entdeckt, dass sie keine Kopffüßer sind, sondern 4 Beine mitgeliefert wurden. Diese werden seither eifrig ausprobiert, und auch das Genick ist mittlerweile so kräftig, die immer noch zu großen Köpfe zumindest kurze Zeit hoch zu halten.

Ach ja, die ersten InteressentInnen haben sich für die dritte Woche angekündigt - die Suche nach sehr guten Plätzen für die Süßen hat begonnen.

Gottseidank bleiben mir aber noch gut 6 Wochen, bevor ich sie dann an stolze und verantwortungsbewusste Hundehalter abgebe...

Welpenleben

Tag 20

Nach 20 Tagen vor und in der Welpenbox ist mein Sommerurlaub zu Ende, und ich muss zurück ins "richtige" Leben ...

 

Ungewohnt: Nach 20 Tagen liege ich wieder in einem richtigen Bett. Ohne Bukola neben und / oder auf mir. Mit rückengerechter jMatratze. Mit Polster, ganz für mich allein.

Fast schon gespenstisch: Ich bin richtig straßentauglich angezogen. Zivilisationsadäquat geschminkt. Mit einem Hauch von Versaces Vanitas. Um es salopp zu formulieren: lch hab die Haare schön. :-)

Unerfreulich: Erstmals bin ich nicht zur Stelle, wenn Bukola sich ans Säugen macht. Und kann daher auch nicht darauf achten, dass Missy und Lilly, unsere beiden Mädchen, nicht ständig von den doch schon recht derben männlichen Welpen verdrängt werden. Sozusagen rüde abgeploppt von den wirklich ergiebigen Milch-Pipelines.

Beruhigend: Peter und unsere Tochter Denise schupfen jetzt den Laden. Da kann nix schief gehen.

 

Es hat sich ordentlich was getan in den letzten 10 Tagen.

Aber der Reihe nach: Alle Burschen und Burschinnen haben die Augen geöffnet. Und dabei erstaunt festgestellt: Da hängen doch glatt 4 Beine am Rumpf - mal schauen, was die so hergeben. Und schon wuselte alles, was bislang wie ein Grottenolm am Bauch robbte, wackelig dahin, um beim leisesten Hauch schon zu kippen - oder mit den doch recht dicken Schädeln immer wieder mal an die Wände der Wurfbox anzurennen...

Aber schon nach zwei Tagen war es kein Problem mehr für die Panzerknacker unter den Burschen, über die erste Box- Abdeckung hinwegzuturnen - Brett 2 kam zum Einsatz.

Kaum auf 4 Beinen, war die lebhafte Brut ununterbrochen hinter der Mutterhündin her - also stieg die mal raus aus der Box. Nur mehr Putzen und Säugen steht seither auf Bukos Agenda.

Kaum auf 4 Beinen, wurde auch die Stimmkraft getestet: Mr. Minty neigt zum hohen Falsett, Mr. Schwartz gefällt sich als Wolfsimitator im Kleinstformat, und Herr Gelb schießt überhaupt den Vogel ab: Er knurrt. Ausgiebig, alles an, manchmal sogar im Schlaf, egal zu welchem Anlass.

Check: Bellen - passt. Laufen - passt. Alles Ansaugen - passt. Jammern, um Weibsvolk aller Art anzulocken - passt.

Nächster Schritt: Spielen und Kräfte messen. Ich hätt's nie gedacht, aber die hühnerdreckgroßen Burschen fangen tatsächlich schon an, ihre Kräfte zu messen. Knautschen noch ziemlich zahnlos am Schwanz des Kollegen rum. Mümmeln das Ohr des "Unterworfenen" nass, reiten echt komisch anzusehende Scheinattacken mit hellem Beller und Arsch seitlich hoch - und fallen von einer Sekunde auf die andere um und mützen...

Ah, ja, Zufüttern ist angesagt. Joghurt mit Welpenmilch angewärmt, am Löffel den noch Unkundigen serviert. Das kleckert. Ergiebig. Dafür braucht's weder Versace Vanitas noch straßentaugliche Kleidung, eher leicht zu reinigende Shirts und die Gelassenheit, über in der Aufregung direkt auf den Schoß Gepinkeltes hinwegzusehen.

 

Ja, genau das fehlt mir jetzt hier im Büro.....

Welpenleben

Tag 27

Klar, Hundebabys sind süß. Stimmt, Bonsai - Ridgis sind umwerfend süß. Natürlich, die eigenen Puppies sind noch viel süßer...

 

Aber: Inzwischen beschleicht uns die leise Ahnung, dass mit jedem Tag die Süßen ein wenig mehr an saurem Schweiß einfordern.

Beispiel gefällig? Ich schlaf immer noch vor der Welpenbox, wenn ich im Haus bin. Letzte Fütterung 23:00, Nachtruhe ab 23:45, großes Gezeter ab 01:30. Buko meidet die Welpenkiste. Dafür liebt sie 2/3 meiner Schlafstatt. Also der Reihe nach die Schreihälse anlegen...direkt im Bett. Wer am lautesten randaliert, darf zuerst an die Bar ran. Ich bin perfekt konditioniert. Dann halbwach gucken, wer als erster von der Pipeline abrutscht. Ersatzsauger anlegen, Volltrunkene retour in die Kiste.

Weiterschlafen ab 02:15.

Großes, herzerweichendes Konzert ab 05:15. Procedere wie gehabt.

Nur: Schlafen ist nicht. Schließlich werden großzügig Verdauungsprozesse aller Art erfolgreich abgeschlossen. Alle kacken, ich putze.

 

Dann: Kampfsport - Übungen. Jeder gegen jeden. Laut und nicht grad zimperlich. Das regt an. Die Verdauung, eh klar.

Äh, ja, Rumbalgen macht auch hungrig. Die Milchbar verweigert die Mitarbeit - 24 Stunden an 7 Tagen? Nicht mit Buko. Sie wechselt das Lager und verzieht sich in die Küche.

Ich auch - Futter zubereiten ab 05:45.

Lautes Geheule aus der Wurfbox. Als ich wiederkomme, überall streng riechende Pfotenabdrücke. Ich putze, die Burschen und Burschinnen fressen. Und weil's so gut passt, werden die Kollegen, die Wände und schließlich auch noch ich abgeleckt. Alles in allem haben wir schließlich annähernd so viel Futter auf uns wie in der Schüssel. Das muss dringend bereinigt werden, also macht sich Buko ans Werk.

06:30 - alle sind richtig satt, wirklich süß. Einigermaßen sauber. Rechtschaffen müde. Also mützen alle mal zufrieden weg.

Halt! Alle?

Habe ich erwähnt, dass ich dann Richtung Wien aufbreche, um das nötige Futter-, Auflagen-, Haushaltsrollengeld zu verdienen?!?

Ah, ja, sicher: Ich liebe meine Hunde. Alle 11

:-)

Welpenleben

Tag 31

4 Wochen und 3 Tage, ca. 35 kg Gesamtgewicht, täglich 5-6 x je 2 richtig volle Schüsseln Futter.

 

Zudem tonnenweise Einlagen in der Welpenboxund tausende Meter Haushaltsrolle, maximal 3 Stunden Schlaf am Stück, erstaunlich lautes Gezeter, wenn das Futter nicht so schnell rangeschafft ist wie verdaut - vor Begeisterung blanke Augen, wenn wir uns zu den Burschinnen und Burschen runter beugen, behagliche Dauergrunzer am halb abgekauten Ohr des Frauchens / Herrchens, 10 wunderbar glatte dicke Hundebäuchlein, begeisterte Begradigung des wilden Weins an der Hausmauer, wilde Verfolgungsjagden hinter Bällen, ausgiebiges Abkauen der KollegInnen und immer neue Schlafformationen des fidelen Hundehaufens - Züchten ist enorm anstrengend und ebenso enorm beglückend.

Was ist neu? Täglich gibt's den Ausflug in den Welpengarten, die wilden Kampfsportarten werden immer wieder "verfeinert", Plüschenten und Stofftiere werden abwechselnd gewürgt und bekuschelt, und täglich wird der Wagemut herausfordernder. Über die Welpenbox-Absperrung in die Küche ausbüxen? Besuchern die Schuhbänder ein bisschen rausoperieren? Wimmern, um hochgenommen und wortreich bedauert zu werden? Zu viert den Schoß von wem auch immer erobern? Über die Terrasse flitzen und im Welpengarten mit wenig elegantem Bauchfleck landen?

Alles kein Problem.

Einziges " Drama": Buko säugt nur mehr, wenn wir ihr drei, vier Lumpen gezielt vorbeibringen. Der Entwohnungsprozess stresst beide. Die Welpen reagieren hysterisch - euphorisch, wenn sich die Mutterhündin mal ins Welpenzimmer verirrt. Die hat aber umdisponiert: Sie kommt nur, wenn jemand mit etwas Quietschendem hantiert. Das wird sanft von ihr entfernt und brutpflegerisch umsorgt. Quietschenten und Gummikrabben sind nämlich weich, geben hohe Töne von sich, rennen einem nicht Schritt und Tritt nach und wetzen keine Krallen und Zähne im empfindlichen Bauchbereich.

Ihre Jungen sieht Buko inzwischen als Spielgeräte, denen läuft sie nach, hält sie energisch mit der Pfote fest, wischt sie beiseite - und wenn's gar zu aufdringlich ist, springt sie leichtbeinig aus der Box.

Das wird dann imitiert - und schaut echt zum Schießen aus :-)

Welpenleben

Tag 40

10 Stück quirlige und schon recht propere Ridgebacks in den Autotransportkäfig zu verfrachten, ist eine echte Herausforderung , auch für drei Zweibeiner.

 

Ins Auto rein also, runter zum Nachbarn auf den Gegenhang, und in der großen Wiese dürfen alle 11 raus - Buko fegt wie vom wilden Schwein gebissen durch die Gegend, und die Jungen rennen mit aufgeregt wackelnden Schwänzchen hinterdrein. Ab und an lernt so jeder Welpe die robuste Zuneigung eines erwachsenernRidgi kennen, der verdutze Gesuchtsausdruck der Kleinen zeigt, diese stürmische Erfahrung muss erst verdaut werden.

 

Nicht lang, denn da geht's bergauf, und die Sonne scheint, und das Gras ist hoch, und die Blumen verstellen auch dauernd die Sicht. Gut, dass da 2 Frauchen und ein Herrchen rumsitzen, da kann Hund sich vom wilden Toben erholen, am besten zu viert, und am allerbesten unter meinem Rock - da ist's schattig.

 

Besuch gibt's auch: die Nachbarsfamilie mit einer Schar an Besucherkindern - 5 Kinder, da gehen sich prima eine Menge Streicheleinheiten aus. Nur die Viererbande bleibt unterm Rock - da mützt es sich besser.

 

Nach all der Aufregung braucht es richtige Abkühlung - der kleine Bach mit der schattigen Lichtung ist bestens geeignet, und während ich hinter den frechsten 3, 4 her laufe, die auch das andere Ufer superspannend finden, wälzen sich 4, 5 im nassen Gatsch am Bachrand, 2, 3 wollen lieber weiter gehen, der eine oder andere kaut ein wenig auf Ästen, meinen Schuhen, meinem Rocksaum, und nach einer guten halben Stunde, in der ich das Gefühl habe, nicht auf 10, sondern auf mindestens 20 Hunde aufzupassen, fallen alle um - und erholen sich vom Abenteuer, Zweibeiner und Vierbeiner dösen entspannt in der wunderbaren Herbstnachmittagssonne...

Welpenleben

Tag 45

Hm. Nach 47 Tagen beinahe rund um die Uhr für 10 Welpen zu sorgen, ist ganz schön aufreibend - vor allem, wenn man wie mein Mann wochentags allein die Burschen und Burschinnen versorgt.

 

Füttern ist Schwerarbeit, denn die 10 verdrücken pro Durchgang derzeit rund 1/2 Kilo Reis, 35 dag Hühnerfleisch, ein paar Karotten - und das 5 mal am Tag.

Damit Zweibeiners Nachtruhe von den bisher 3 Stunden auf - sagen wir mal - 6, 7 Stunden ausgedehnt werden kann, will der fidele Hundshaufen so gegen 23 Uhr noch mal mit Futter versorgt werden - und danach geht's rund, ungefähr eine halbe Stunde Kampfsportübungen, danach ausgiebig Streicheleinheiten. Macht Bettruhe ab zwölf, halb eins möglich - um halb sieben geht's wieder los. Erst alle Ergebnisse der Verdauungsprozesse der vergangenen Nacht entfernen - das Welpenzimmer gleicht am Morgen einem kleinen See mit allfälligen Inseln, 10 Welpen, die gut fressen, hinterlassen einiges und pissen wie die Bären :-)

 

Aber neben dem eher Anstrengenden gibts oft recht Witziges ubd Abwechslungsreiches: 2 x Entwurmen haben wir hinter uns, man glaubt gar nicht, wie rosa 5 ml dieser Tinktur die eigenen Schnauzen, die Ohren der Kollegen und die frisch manikürten Hände des Frauchens einfärben kann - war ein bisschen wie Ostern. Echt bindungsintensiv sind die Stunden, die ich mit den Burschen und Burschinnen auf der Terrasse verbringe: Ich sitz in der Herbstsonne, drei bis vier der Süßen machen's sich auf meinem Schoß / in meinen Armen bequem, drei bis vier belagern die Beine, und die anderen docken nach Art der Ridgebacks an, indem sie den Kopf oder die Pfoten irgendwie noch auf mir unterbringen. Wenn dann noch Buko dazukommt, um mir ihren Kopf in meinen Hals zu drücken, Schmelze ich dahin, und das nicht nur wegen der Nachmittagssonne.

 

Apropos Muttertier: Die muss immer noch aufpassen, dass sie beim Entspannen auf der Terrasse nicht plötzlich von den kleinen Gierschlunden auf der ewigen Suche nach der Milchbar überfallen wird. Milchbar war nämlich, und unsere Queen Mum ist grad dabei, sich wieder in Richtung alte Schönheit zu entwickeln, das Gesäuge hat sich schon recht ordentlich zurückgebildet, das Gewicht vor der Trächtigkeit ist fast wieder erreicht, ihr Elan wächst mit jedem Tag. Das kriegen auch die Welpen zu spüren, wenn sie "mitspielt" und den 5 - 6 kg Bröckchen immer wieder zeigt, wo und vor allem wie der Bartl den Most holt.

Wegen Frechen Verhalten zurechtgewiesen, reagieren sie richtig erschüttert und verkriechen sich sofort in der Welpenkiste. Oder hinter meinem Rücken....

 

 

Welpenleben

Tag 47

Ganz wie in den Büchern beschrieben, bauen derzeit alle Welpen immer mehr die Beziehung zu ihren Menschen auf und zeigen schon recht individuelles Verhalten:

 

Amali alias Fräulein Lilly, unsere Kleinste, ist ebenso anschmiegsam wie wehrhaft, wann immer ihr einer der 'männlichen' Rabauken zu nah kommt, setzt sie kompromisslos zum Rangverteidigen an.

 

 

 

 

 

 

Akono alias Herr Neon, unser Knicky, ist ein anhänglicher, leicht handhabbarer, selbstbewusster Rüde, der rasch begreift und gut mit allen kann. Eine ideale Ergänzung für Familien mit Kindern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Akil alias Herr Rot, lang Favorit meines Mannes, leidet ein bisschen, dass er zu den Schwergewichten in der Truppe zählt, aber hinter seinem kräftigen Außen verbirgt sich ein empfindsames Seelchen. Wenn er etwa wegen groben Unfugs einen Ordnungsruf erhält, rennt er in die letzte Ecke der Box und vergräbt den Kopf zwischen den Beinen. Überhaupt hat er's mit dem Graben - richtig schöne Löcher, im Welpengarten, in Topfpflanzen, in meinem Rücken, wenn er nicht auf den Schoß kann, zur Not in der Futterschüssel.

 

 

 

 

Antankara alias Herr Orange, er ist unser Mr. Right.

Er wird bei uns bleiben.

Und wie das so kam, ist als ganz eigene Geschichte zu erzählen...

 

 

 

 

 

 

 

 

Ayo alias Herr Gelb, ist unser Bonsay, schmal und sehr smart, pfiffig und mit dem unschuldigen Augenaufschlag eines Engels. Und während er mit seinen großen Augen dein Herz bricht, sorgt er mit blitzschnellen Attacken dafür, dass neben ihm keine Götter aufkommen, denn auch er mag nichts lieber als Arm-Kuscheln, am liebsten konkurrenzlos.

 

 

 

 

 

 

Amani alias Rudi - die Socke, ist ein total cooler Hund,

ein bisschen Anecken ist immer drin,

aber auch das Bedürfnis nach ruhigen Schmuseeinheiten

und regelrechten Kuschelorgien mit Schwester Lilly.

 

 

 

 

 

 

 

Acim alias Herr Weiß, ist ein ganz Feiner, ruhig, liebesbedürftig, anschmiegsam, am liebsten bewohnt er Halsbeugen und Arme, am besten auf unserer Tochter Denise. Egal ob Krallenstutzen oder Gesicht abwaschen, er erträgt's gelassen, wenn er dafür ausreichend liebkost wird.

 

 

 

 

 

 

Amir alias Herr Schwarz, ist ein Stänkerer, seine Nase zeugt von heftigen Auseinandersetzungen, wo Krallen und Zähnchen das Fell abgewetzt haben. Und wenn's ihm zuviel wird, kommt er zu mir petzen, und intensives Bedauern lässt ihn behaglich vor sich hinjammern, bis zufriedenes Grunzen den Grad der Verzückung signalisiert.

 

 

 

 

Ayana alias Missy, das zweite Weibchen, ist ziemlich ranghoch, sie lässt sich höchstens von Herrn Orange auf den Rücken legen. :-) Sie ist sehr eigenständig und sondert sich gern von der Meute ab.

 

 

 

 

 

 

 

Asad alias Herr Minty, ist der Jammerer der Truppe, er hat aber so alle Zweibeiner hervorragend konditioniert und fungiert quasi als Feuermelder: Futterzeit? Streichelzoostunde? GuteNachtGeschichte? Kein Problem, Minty ruft. WIr kommen.

 

 

 

Welpenleben

Tag 56

8 äußerst spannende, manchmal etwas anstrengende, immer wirklich wunderbare Wochen liegen hinter uns -

jetzt ist es Zeit, Abschied zu nehmen.

 

Der erste, der geht, ist Herr Rot. Und der kleine Kerl macht sich gleich auf die weiteste Reise: Erst begleitet er mich bis Bregenz, dann holen ihn seine neuen Menschen ab und nehmen ihn mit nach Zürich. Ich weiß, er wird dort ein feines Hundeleben führen, Magdalena und Florian sind jung, sportlich, freuen sich riesig auf Akil - und haben sich schon ernsthaft auf ihre Verantwortung als Hundehalter vorbereitet. Dennoch. Er wird mir fehlen, mein Dicker, niemand konnte so herzerweichend jammern, wenn er von meinem Schoß verdrängt wurde.

 

Überhaupt wird mir bei jedem Welpen, der geht, ein bisschen das Herz brechen, denn sie alle sind eine absolute Bereicherung für HundefreudInnen: Sobald sie die Augen öffnen und dich von unten schräg angucken, beschließen sie, dich zu erobern, egal ob mit täppischem Rumgehopse, wilden Fang- und Beutespielen, eifrigem Mitgewusle oder stürmischen Begrüßungsorgien, wenn ich morgens ins Welpenzimmer komm. Und absolut unbezahlbar sind die friedlichen Abendstunden, wenn ich mich in die Welpenbox setze und alle Burschinnen und Burschen an mich andocken. Wenn dann Schoß, Beine und Arme schon von den KollegInnen okkupiert wurden, reicht so manchem auch oft nur ein sich fest an meinen Rücken Ranschmeißen...

 

Gestern war die zweite Welpenabnahme - und Frau Dohnal, die Zuchtwartin des Ridgeback Clubs, hat sozusagen "amtlich" bestätigt, alle sind pumperlgesund, kräftig, lebhaft, unerschrocken, und alles, was es für einen richtigen Ridgi so braucht, ist am richtigen Ort.

 

Ja, Buko, Peter, Denise und ich, wir haben nach bestem Wissen gute Aufzuchtarbeit geleistet, unsere Burschen und Burschen sind üppig gediehen, wenn wir mit einem Teil der Bande nach draußen gehen, dann spielt es sich auch schon richtig ab, das ist wie einen Sack Flöhe hüten, wenn jeder in eine andere Richtung unterwegs ist.

 

Am Donnerstag geht Herr Neon - Akono wird in eine nette Familie mit zwei Kindern und einer älteren Hundedame ziehen - ich wünsch ihm ein wunderbares Hundeleben.

 

Am Samstag wird's richtig schwer für mich: Herr Gelb, Ayo, verlässt uns, und Familie Reiter wird erfahren, was hinter den Zeilen "you look like an angel" steckt: Keiner aus dem fidelen Hundshaufen war so rasch und so zielstrebig in meinen Armen, und keiner hat seinen Platz so energisch verteidigt. Er steht mir nach unserem eigenen Welpen seit Anfang an am nächsten.

Am Samstag gehen auch noch Herr Weiß und Herr Minty: Der sanftmütige und gelassene Acim verbringt dann sein Hundeleben in einer Familie mit einem ebenso gelassenen Mädchen, einem weiteren Hund, Katzen und Pferden. Minty wird formell Asad heißen und kommt bei einem Polizist unter, und der wird bald feststellen, wie anhänglich und unerschrocken der Knabe ist und wie prächtig er sich entwickeln wird. Denn auch Minty verspricht, ein kräftiger, äußerst hübscher Rüde zu werden.

 

5 von 10 werden am Sonntagmorgen nicht mehr voller Erwartung vor mir stehen und sich kaum einkriegen, wenn ich mich hinknie, um sie zu knuddeln. Missy - offiziell Ayana genannt - bricht am Sonntag ins neue Heim auf - zu meinem Bruder und meiner Schwägerin, das macht's sehr leicht, denn wir werden immer wieder unser kleines Rudel vervollkommnen.

 

Am 1. Oktober wird unser kleinstes Mitglied im Hundehaufen abgeholt, und ihr neues Frauchen im Weinviertel wird es dann genießen, die Winzigkeit im Arm zu halten, ihre kleine Zunge am Ohr zu spüren und die netten weißen Pfoten durchs Haus tapsen zu sehen. Ich weiß, unsere Prinzessin wird ihr Leben genießen, vor allem ohne die dicken Burschen, die ihr immer wieder rücksichtslos über den Bauch gelatscht sind. Dann musste sie wütend werden und hemmungslos angreifen, was einiges von den Kampfspuren und Tupferln auf ihrer Schnauze erklärt.

 

Rudi, die Socke, bleibt noch ein bisschen. Sein Herrchen hat lang und ernsthaft nachgedacht, ob er der Verantwortung als frisch gebackener Hundehalter artgerecht nachkommen kann. Und er wird's tun, Rudi - von seinem Patchworkfrauchen ganz edel Amani genannt - wird's ihnen leicht machen, so lebhaft und keck wie er ist, wird er den weiten Wiesen in Straden einen ganz besonderen Touch verleihen.

 

Bleibt Herr Schwarz. Amir - Prinz - haben wir ihn genannt. Erst waren alle ganz wild nach ihm, jetzt ist er der einzige, der noch keinen Platz gefunden hat. Er ist schon eine richtige kleine Schönheit. Dazu hoch sensibel und wunderbar verschmust. Ich freu mich über jeden Tag, den Amir länger bei uns bleibt, hoff aber trotzdem, dass sich bald eine liebevolle Familie seiner annimmt. udn ihm all die Aufmerksamkeit schenkt, die er verdient.

 

Fazit unseres ersten Zuchtversuchs: Vieles ist sehr neu - etwa die Erfahrung, wie zielstrebig Hundebabys, die noch nix sehen und hören, ihren Platz an der Milchbar verteidigen. Manches hat uns erstaunt - darunter die Neigung zu Rangkämpfen, noch bevor Hund sicher auf den Beinen steht. Einiges hat uns verwunderte Blicke eingetragen - wenn man zum Beispiel pro Woche rund 40 Stück Küchenrolle erwirbt und die Verkäuferinnen ab der zweiten Woche wissen wollen, ob wir einen kleinen Handel damit treiben wollen.

 

Das alles haben wir sicher gelernt: vor allem mit Gelassenheit auf Herausforderungen zu reagieren, über oft recht rasante Fortschritte zu staunen, mit ganz wenig Schlaf auszukommen, 11 Hunden gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken, rechtzeitig alle Eventualitäten wie Futter-Großeinkäufe mitzudenken, einigermaßen Menschen auf ihre Ridgeback - Tauglichkeit abzuschätzen.

 

Ganz sicher: All das hat sich wirklich gelohnt.

 

Und ja: Ich werd's wieder tun :-)